Internationale Praxiserfahrung sammeln und über den Tellerrand blicken – diese Möglichkeit haben zwei Auszubildende des ersten Kurses der Berufsfachschule für Pflege der Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf genutzt. Kathrin Beck, 22 Jahre, und Salome Lehner, 18 Jahre, verbrachten 4 Wochen am Landeskrankenhaus Salzburg (SALK). Von ihren Eindrücken berichteten die beiden angehenden Pflegefachfrauen am vergangenen Freitagnachmittag ihrer Klasse.
Großes Universitätsklinikum
Die Gelegenheit kam durch die Kontakte der Schulleitung, Dr. Karin Lichtinger, zustande, die in Salzburg promovierte und dort auch Lehraufträge innehat. Das SALK ist Universitätsklinikum der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität und beeindruckte die beiden Auszubildenden nicht nur durch seine Größe: Trotz benachbarter Einsatzorte benötigten sie rund fünf Minuten, um sich gegenseitig zu besuchen.
Einsatz auf der Kinderstation
Kathrin Beck war an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde auf der Kleinkinder-Säuglingsstation (KICI) eingesetzt. Dort werden akut erkrankte Kinder im Alter von null bis sechs Jahren versorgt, unter anderem mit Infektionen des Verdauungstrakts oder der Atemwege sowie Fieberkrämpfen. Besonders hilfreich im Alltag war für sie ein strukturierter Stationsleitfaden mit Checklisten. Eindrucksvoll waren auch praktische Übungen, etwa an der Übungspuppe „Willi“, sowie der Einsatz moderner High-Flow-Geräte zur Unterstützung der Atmung.
Einblicke in den Stationsalltag zeigten zudem, wie wichtig Teamarbeit und Organisation sind – etwa durch ein tagesaktuelles Board mit Zuständigkeiten und Untersuchungszeiten. Auch seltene Krankheitsbilder begegneten Kathrin, darunter ein Baby mit zwei Doppelnieren, also vier Beckenkelchsystemen und Harnleitern – einer angeborenen anatomischen Variante. Positiv hob sie hervor, dass die Meinung von Auszubildenden aktiv und direkt von der Station eingeholt und wertgeschätzt wurde.
Frührehabilitation und Wochenbettstation
Salome Lehner war auf der Station ReKiZ tätig, einer Einrichtung für Früh-Neurorehabilitation von Kindern und Jugendlichen nach schweren Schädigungen des zentralen Nervensystems. Die Patientinnen und Patienten werden dort von einem multiprofessionellen Team betreut. Während ihres Einsatzes erlebte Salome bewegende Schicksale von Kindern, zum Beispiel von einem monatelang in der Klinik befindlichen Mädchen, das einen E-Scooter-Unfall erlitten hatte, und einem Jungen, der von einem Traktor überrollt wurde. Neben pflegerischen Tätigkeiten konnte die Auszubildende auch an ausführlichen Visiten mit Fachkräften aus Logopädie und Physiotherapie teilnehmen. Einen persönlichen Wunsch konnte sie sich in Form eines Tages auf der Wochenbettstation erfüllen, wo sie einen Kaiserschnitt beobachten durfte.
Familienfreundliche Angebote
Die Atmosphäre der Rehabilitationsstation zeigte sich laut Salome auch in zahlreichen Freizeit- und Therapieangeboten für die Kinder, darunter Spiele, Musiktherapie oder dem Einsatz von Therapiehunden. Ein besonderes Angebot für Angehörige ist das spendenfinanzierte Ronald-McDonald-Haus auf dem Klinikgelände, das Familien ein Zuhause auf Zeit bietet.
Unterschiede zu Deutschland, Herausforderungen und Fazit
Im Vergleich zur Pflegeausbildung in Deutschland stellten beide Auszubildenden fest, dass die Strukturen in Österreich klarer definiert seien und Angehörige stärker in die Pflege eingebunden werden. Herausforderungen waren unter anderem anderslautende Medikamentenbezeichnungen, die Orientierung auf dem großen Klinikgelände sowie lange Arbeitstage von bis zu zwölf Stunden. Gleichzeitig bot dieses Schichtmodell auch Vorteile wie längere Freizeitphasen.
Neben dem Klinikalltag blieb auch Zeit, Salzburg und die Umgebung zu erkunden. Das Fazit der beiden „Salzburg-Pionierinnen“ fällt eindeutig positiv aus: Der Praxiseinsatz sei „auf jeden Fall zu empfehlen“.